Materialkunde

Nach dem Surfkursus steht oft die Anschaffung von geeignetem Material an.

Wir möchten hier versuchen, einen kleinen Leitfaden aufzustellen, damit der Neukauf nicht zu Frust auf dem Wasser führt. Dabei werden wir einige Beispiele von verschiedenen Herstellern anführen, welche aber nicht zwingend als Kaufempfehlung verstanden werden müssen.

Zunächst zum Material für die Boards:

Grundsätzlich gilt, je leichter ein Board ist, desto teurer ist es auch. Ein Nachteil dieser leichten Bretter ist die hohe Empfindlichkeit des Materials. Am robustesten (leider auch am schwersten) sind Bretter aus den thermoplastischen Werkstoffen PP oder PE. Auch harte Kontakte zu Steinen führen meist nur zu einer Delle. Wenn es jedoch einen Riss in der Außenhaut gegeben hat, muss dieser fachmännisch geschweißt werden. In der aktuellen 2006er Produktpalette von Hifly sind das Motion und Primo aus der Widestyle Serie ein Beispiel für robuste familientaugliche Boards aus Polypropylen (PP). Diese Bretter bieten besonders im rauen Schul- und Familienbetrieb für viele Jahre relativ preisgünstigen Spaß.

Einen Kompromiss aus Gewicht und Empfindlichkeit bieten aus ABS oder ASA gefertigte Planken. Hier bedeutet ein harter Fremdkontakt aber fast immer, dass man anschließend zum Zweikomponentenspachtel greifen muss, um das entstandene Loch zu schließen. Wer sorgfältig mit seinem Material umgeht, aber nicht zum Sklaven seiner Ausrüstung werden will, ist hiermit gut bedient. Hier wäre das Youngstyle von Hifly ein Beispiel für ein robustes Brett aus ASA speziell für Kinder oder das Start von Starboard für Erwachsene Aufsteiger. Der Start ist übrigens auch im Verein vorhanden und kann bei uns getestet werden.

Leicht, edel und teuer - leider auch empfindlich - sind die aus GFK (Glasfaser verstärkter Kunststoff) produzierten Schwimmhilfen. Oft werden Steifheit und Schlagfestigkeit noch durch Verstärkungen aus Carbon und Kevlar verbessert. GFK kann mit entsprechendem Kunstharz und Härter selbst geflickt werden. Wenn der Superleichtbau aus Carbon und Wabenpapier jedoch in der Mitte durchgebrochen ist oder weichgetreten wurde, ist guter Rat teuer. Sorgfältiger Umgang mit dem Material sowie ein Boardbag sind unverzichtbar. Vor dem Kauf sollte man überlegen, ob es ein Hi-End-Produkt sein muss oder ob ein paar Gramm mehr wirklich einige hundert Euro wert sind. Diese Materialien sind mittlerweile in fast jedem Brett für Fortgeschrittene zu finden. Beispiele sind das Screamer von Mistral oder das Madd von Hifly. Neben den verschiedenen Materialien gibt es auch verschiedene Typen von Boards, je nach Einsatzgebiet. Wer z.B. eher in der Brandung surft braucht ein Waveboard. Als beste Allroundlösung eignet sich aber der Typ Freerideboard, wie das eben erwähnte Madd. Er bietet die besten Kompromisse zwischen allen Einsatzbereichen.

Zum Board gehört natürlich die passende Finne. Die Finne hat maßgeblichen Einfluss auf die Fahreigenschaften eines Boards. Sie beeinflusst das Angleitverhalten, die Top Geschwindigkeit und die Manöverfähigkeit eines Boards. Von Billigfinnen für 10 € ist abzuraten, da nur eine gut profilierte und verwindungssteife Finne dem Druck bei großen Segeln und hohen Geschwindigkeiten standhält. Leider gibt es keinen einheitlichen Standard für die Finnenaufnahme. Von den Systemen US-, Power-, Tuttle- und Trimmbox gibt es oft auch noch Varianten (z.B. Deep US-Box) mit unterschiedlicher Einbautiefe weil sonst die auftretenden Kräfte nicht ins Brett weitergeleitet werden können. Die einzusetzende Finnengröße ist hauptsächlich von der Segelgröße und dem Fahrer abhängig. Die Finnenform richtet sich nach dem Einsatzbereich. Säbelförmige, kleine Finnen kommen im Bereich Wave und Freestyle zu Einsatz. Hingegen lange, gerade Finnen werden für Race und Freeride genutzt (z.B. bei Regatten).

Neben der zwangsläufig vorhandenen Finne ist auch ein Schwert für Anfänger besonders zu empfehlen, da es Kippstabilität liefert.

Relativ einfach zu behandeln ist das Thema Mastfuß. Hier hat sich inzwischen weitgehend der Standard von North bzw. Mistral durchgesetzt, so das man mit Freunden auch mal schnell ein Segel tauschen kann. Zwar haben viele Hersteller noch unterschiedliche Aufnahmen im Board, oberhalb des Powerjoints findet man aber immer öfter den Edelstahlstift mit einer Nut.

Zum Thema „Rigg“ kann man kaum generelle Aussagen machen. Für Flachwasser, Welle, Regatta und Manöver werden von der Herstellern jeweils eigene Linien präsentiert. Oft kommen noch mehrere Preisklassen hinzu. Allen Riggs gemeinsam ist jedoch, dass Masthärte und Biegekurve zum Segel passen müssen. Oft ist es beim Neueinstieg die einfachere Lösung ein Komplettset zu kaufen, dass nicht zu extrem und zu groß ausgelegt ist. Ein rassiges Wavesegel macht auf dem Baggersee keinen Sinn und ein Racesegel holt sicher das letzte aus dem vorhandenen Wind heraus, ist jedoch schwer und nicht unbedingt komfortabel zu handhaben. „Freeride“-Segel sind für den Normalsurfer und Baggerlochsurfer sicher die beste Wahl. Besonders gute und günstige Modelle im Bereich Freeride sind das Flash und Tempo von Gun Sails (www.gunsails.de) oder in einer etwas teureren Preisklasse das Drive oder R-Type von North Sails.

Die Kleidung soll nicht nur vor Kälte schützen, sondern auch die UV-Strahlung abhalten und Verletzungen verhindern. Schuhe - oder mindestens Slipper - schützen vor Schnitten durch Steine und Glas und sollten immer getragen werden. Im Sommer sist als Sonnenschutz zusätzlich zur Badebekleidung mindestens ein Leicrashirt zu empfehlen.

Sobald es kühler wird, kommt man um den Neoprenanzug nicht herum. Aktuelle Anzüge sind sehr dehnbar und angenehm zu tragen. Die Materialdicken liegen zwischen 2 und 5mm. Besonders beanspruchte Bereiche wie die Unterschenkel sind Sinnvollerweise mit Stoff kaschiert. Bei der Anprobe muss man bequem in die Hocke gehen können. Auch dürfen die Arme nicht eingeschnürt werden.

Soll es nun an den Kauf eines Boards kommen, so sind das Fahrkönnen (Anfänger oder Fortgeschritten) und das Fahrergewicht zu beachten. Das Gewicht ist notwendig, um das „Überschussvolumen“ zu berechen. Als Faustformel für ein Anfängerbrett sollte das Volumen des Bretts dem Körpergewicht + 100 kg entsprechen. Je nach Budget kann man sich dann überlegen, welches Material und welcher Bretttyp es sein soll.

Ich möchte hier als Beispiel eine typische „Surfkarriere“ für einen ambitionierten 80 KG schweren Surfer aufzeigen:

- Schulung auf dem Leihboard mit über 200 L Volumen, Schwert und Segel bis 4,5m²

- 1 bis 2 Jahre auf einem Brett mit ca. 180 Litern und Schwert. Segel bis ca. 5,5 - 6,5m². Das ist später auch hervorragend als Schwachwind- und Familienboard geeignet.

- Danach dann ein schwertloses Board mit 100 – 130 Litern. Segelgrößen bis ca. 10 m²

Selbstverständlich ist die Entwicklung individuell verschieden. Entscheidend ist allein, dass man mit seinem Material Spaß auf dem Wasser hat!

Wer sich für gebrauchte Surfutensilien entscheidet, tut gut daran, vorher eine Probefahrt zu unternehmen. Dagegen wird kein seriöser Privatverkäufer etwas einwenden. Es schadet auch nie einen erfahrenen Bekannten um Rat zu fragen. Wir stehen natürlich auch zur Verfügung.

 

Eure Surflehrer im SCWAF

 

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